MarktplatzFebruary 23, 2009 2:22 am

Der Biobauer hat es eilig mit seinem Projekt Mitgliederladen und will “in ein persönliches Gespräch gehen.” Demnächst werden wohl alle ernsthaft interessierten Personen und Kreise eine Einladung erhalten, die können sich dann gezielt über die Termine des Gesprächs informieren. Allerdings macht mich stutzig, warum nur interessierte Personen und Kreise eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch erhalten und dann den Termin gezielt erfahren? Sieht aus wie eine konspirative Geheimsitzung.

Ich denke mal, Kritiker will man fernhalten. Das ist auch aus der Aussage in dem o. a. Kommentar im Homberger-Hingucker zu entnehmen, in dem der Biobauer meint, mit einigen Usern weiter über einen Mitgliederladen zu diskutieren, sei so effizient, wie “Wasser in die Efze zu schütten.” Solche Sprüche und die Geheimniskrämerei über die Gesprächstermine mehren meine Zweifel an der Seriösität des Projekts Mitgliederladen erheblich.

Marktplatz 2:16 am

Zur Marktplatzwiederbelebung hat sich ein Biobauer etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Wenn es schon mit der normalen Vermarktung nicht klappt, soll nun ein Mitgliederladen das Geld bringen, möglichst risikofrei. Mindestens 200 Mitglieder, also Genossen, falls er überhaupt als Genossenschaft geführt wird, sollen das Startkapital für den Mitgliederladen bilden. Das soll dann so aussehen:

Zur Deckung der laufenden Kosten wie Miete, Personal, Nebenkosten, etc. sollen die Mitglieder Monatsbeiträge zwischen 15-20€ pro Person entrichten, Kinder weniger. Darüberhinaus ist an einen einmaligen Aufnahmebeitrag von ca. 30.- Euro pro Person gedacht. Zusätzlich wird eine einmalige Einlage für den Warenbestand als zinsloses Darlehen in Höhe von ca. 30.- Euro fällig, welches nach Beendigung der Mitgliedschaft zurückgezahlt wird.

Wenn es schon so weit ist, dass man in Homberg die Kunden erst mit Geldeinlagen in den Laden locken und dann an den Laden binden muss, damit sie auch wiederkommen, dann muss auch gewährleistet sein, dass die Mitglieder mitbestimmen können, was wie im Laden läuft, bei wem eingekauft wird, wie das Sortiment aussieht, Mitspracherecht haben bei Marketing, Vertrieb und Verwaltung, etc. Fraglich ob so etwas in diesem Umfang überhaupt gewährleistet werden kann. Auf alle Fälle müsste der Vermarkter dann ein fast komplettes Sortiment an Bio- und anderen relevanten Produkten anbieten, das muss sich also extrem von dem unterscheiden, was bisher auf dem Marktplatz angeboten wurde.

Aber rechnen wir mal:

200 x 20.- Euro monatlich = 4000 Euro/Monat für die Dauer der Mitgliedschaft
200 x 30.- Euro einmalig = 6000 Euro Aufnahmegebühr
200 x 30.- Euro einm. Einlage = 6000 Euro als zinsloses Darlehen.

So kann man sich von den Mitgliedern sein Unternehmen bequem und risikofrei finanzieren lassen. Hat es bisher mit der Vermarktung auf dem Marktplatz nicht so recht geklappt, was nicht an der ausgewiesenen Fussgängerzone gelegen hat, so hätte man als Unternehmer mit diesem Modell wenigstens kein finanzielles Risiko, das lässt man von den Mitgliedern tragen.

Davon ab, jeden Monat 20,- Euro, macht im Jahr 240 Euro, nur damit man sich an ein bestimmtes Geschäft bindet und bestimmte Waren nur dort einkauft? Da ist man dann ganz darauf angewiesen was der Biobauer so anbietet. Mitspracherecht beim Einkauf und Marketing haben und bekommen sind zweierlei. Was ist, wenn beispielsweise die ahle Wurst nicht schmeckt oder die Kartoffeln nicht schmecken? Da bringt auch der Umstand nichts, dass man als Mitglied die Ware zum Mitgliedspreis bekommt. Wenn Mitglieder den Laden nicht nutzen, stärken sie mit ihrem Anteil bzw. ihren Anteilen die Kapitaldecke des Mitgliederladens ohne etwas davon zu haben.

Warum soll man sich also an einen Mitgliederladen binden, um einerseits die Produkte etwas günstiger zu erhalten, man aber anderseits seine Flexibilität verliert, auch woanders zu kaufen. Dann macht man sich abhängig, der ganze Spass wird schnell teuer und es sieht nur so aus, als wäre es vorteilhaft und billig, zumal sich die Mitgliedschaft erst ab einem Einkauf von 65 Euro aufwärts lohnt. Hinzu kommt noch die Mitgliedsgebühr von 20 Euro pro Monat. Insgesamt also 85 Euro, nur damit man im Mitgliederladen in der Homberger Innenstadt regionale Erzeugnisse einkaufen kann, es sei denn sie bezahlen als Nichtmitglied einen saftigen Aufschlag von 20-50%.

Ich würde keinem empfehlen, sich so eng an einen Mitgliederladen zu binden, auch wenn er sich in der Homberger Innenstadt befindet, es sei denn, man hat Geld übrig, aber wer hat das heute schon.

Bioerzeugnisse werden verstärkt auch bei großen Discountern angeboten. Bislang zeigen die Untersuchungsergebnisse keine Unterschiede zwischen Bio vom Discounter und Bio von anderen Anbietern. Sofern die Produkte mit dem offiziellen sechseckigen Bio-Siegel ausgestattet sind, gibt es keine Bedenken. Die Verbraucherzeitschrift »Öko-Test« hat zudem die verschiedenen Bio-Produkte von Aldi, Lidl und anderen Discountern getestet. Ergebnis: Die meisten waren einwandfrei.


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