Jedenfalls titelte die Bildzeitung heute:
Bei Frosta® AG schmilzt Gewinn
Das Minus führt der Frosta®-Vorstand auf einen Rückgang bei den Handelsmarken zurück, während der Absatz der Eigenmarke Frosta® um 14,5 Prozent gestiegen sei. Im Frosta®-Blog kann man dann tatsächlich nachlesen, daß dieses Jahr für Frosta® schwierig ist. Frosta® wäre ja nun nicht Frosta®, wenn sie in diesem Zusammenhang nicht gleich wieder auf ihr heiliges “Reinheitsgebot” abheben würden.
Da hat sich diese Firma in einem Papier an das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gewandt und fordert tatsächlich, “dass alle Zusätze, die der Verstärkung des Geschmacks dienen, mit dem Zusatz “Geschmacksverstärker” deklariert werden müssen.”
Dabei serviert Frosta® in ihren Produkten den osteuropäischen Verbrauchern all die Farbstoffe, Antioxidantien, Geschmacksverstärker, Stabilisatoren, Konservierungsstoffe, Emulgatoren,etc., die sie hier aus ihren Produkten entfernt hat. Ich denke mal, das wird Frosta® der Bundesministerin Aigner kaum mitgeteilt haben.
Angeblich arbeitet Frosta® seit mehreren Jahren daran, auch in den osteuropäischen Ländern Produkte ohne Geschmacksverstärker auf den Markt zu bringen. Bisher allerdings ohne greif- und essbares Ergebnis.
Seinerzeit in 2003, als bei Frosta® das Reinheitsgebot eingeführt wurde, ist die Firma fast über den Deich gegangen. Um sich aber von den Mitbewerbern abzugrenzen, war dieser Schritt nötig, nicht der über den Deich, sondern die Einführung des Reinheitsgebots. Heute nun sind die Mitbewerber soweit, sicherlich unter dem Druck und Vorreitertum von Frosta®, ebenso wie Frosta® selbst, Produkte ohne Geschmacksverstärker & Co. anzubieten und das auch noch billiger. Auch die Mitbewerber produzieren mittlerweile ohne Geschmacksverstärker & Co., wie z. B. Apetito®. Da ist das aber anscheinend selbstverständlich und wird nicht so penetrant beworben, wie bei Frosta®. Apetito® setzt wohl mehr auf Nachhaltigkeit.
Auch Frosta®-Konkurrent Iglo® produziert ohne Geschmacksverstärker, künstlichen Aromen und Farbstoffen.
Das Alleinstellungsmerkmal von Frosta® bei den Verbrauchern schwindet. Zudem gehört Frosta® nicht unbedingt ins Billigsegment bei Tiefkühlkost, jedoch werden die Verbraucher zunehmend kostenbewusster. Sicherlich eine nicht ganz einfache Situation, die andere Unternehmer auch betrifft.
Frosta® vertreibt seine Produkte unter dem Firmenlabel Frosta® auch in den osteuropäischen Ländern, wie Ungarn, Polen, Tschechien Rumänien und Russland,
Die eisige Firma wirbt gerne mit dem Slogan “Frosta® ist für alle da”, wie dieses Video anschaulich zeigt.
Für alle ja, aber nicht in der gleichen Qualität. Die osteuropäischen Verbraucher gehören anscheinend nicht dazu. Obwohl Frosta® in Polen eine moderne Produktionsstätte, samt Zentrale für Polen und Osteuropa, unterhält und dort Marktführer ist, gibt es das “Reinheitsgebot” dort nicht. Fragt man bei Frosta® nach, wann auch in den osteuropäischen Ländern Frosta®-Produkte inklusive “Reinheitsgebot” erhältlich sind, dann bekommt man es schriftlich: “Man arbeite daran”. Das allerdings schon seit 2007.
Dabei kann ich mir gut vorstellen, daß die osteuropäischen Verbraucher auch bei Frosta®-Produkten gerne mehr Transparenz beim Einkauf hätten.
In Deutschland achten 54 Prozent der Verbraucher häufig darauf, ob im Lebensmittel Zusatzstoffe, wie Aromen, Geschmacksverstärker und Farbstoffe enthalten sind. 61 Prozent der Verbraucher ist es wichtig, dass im Lebensmittel keine Zusatzstoffe sind und 58 Prozent der Verbraucher sind bereit, für Produkte, die keine Zusatzstoffe enthalten, mehr Geld auszugeben.
Das alles stellt sich für die osteuropäischen Verbraucher gar nicht, denn die bekommen von Frosta® keine Produkte ohne Zusatzstoffe.
Frosta® lässt sich gerne als “der einzige Hersteller von Tiefkühlkost mit dem Reinheitsgebot” bezeichnen, gleichzeitig mutet diese Firma den osteuropäischen Verbrauchern immer noch und weiterhin künstliche und natürliche Aromen, Geschmacksverstärker, Farbstoffe, Emulgatoren, Stabilisatoren, chemisch modifizierte Stärke und gehärtete Fette in ihren Produkten zu.
Übrigens, das Reinheitsgebot gibt es bereits seit 1516, ist also keinesfalls eine Erfindung von Frosta®.
Für mich stellt sich die Frage, warum ich Produkte einer Firma kaufen sollte, die mit einem “Reinheitsgebot” wirbt, dieses aber für die Verbraucher in den osteuropäischen Ländern nicht konsequent umsetzt.
Man kann nicht in den osteuropäischen Ländern den Verbrauchern Produkte anbieten, die all die Zusatzstoffe enthalten, die man hierzulande aus den Produkten herausgenommen hat, um einen Wettbewerbsvorteil zu erreichen und gleichzeitig vom Gesetzgeber fordern, daß hier geschmacksverstärkende Zusatzstoffe als Geschmacksverstärker deklariert werden müssen.
Abschliessend sei noch bemerkt, daß ich keinesfalls in den Diensten einer der hier genannten Firmen stehe. Sehen Sie meinen Beitrag aus der Sicht eines kritischen Verbrauchers. Das mag man bei Frosta® zwar nicht besonders, wie hier aus einigen Kommentaren hervorgeht, doch das geht mir am ….., genau, an dem geht’s mir vorbei.
